Vor kurzem hatte ich das Vergnügen, mit Dennis Lenkering, Geschäftsführer von LMZ, über das Thema „Die digitale Fabrik – Fakt oder Fiktion“ zu sprechen. Wir haben uns eingehend damit befasst, wie die optimale digitale Produktionsumgebung aussieht und welche Schritte Fabriken unternehmen müssen, um dorthin zu gelangen.


Ein Argument für die Digitalisierung
Dennis stellte die Frage nach dem Stand der Digitalisierung in Deutschland – ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt. Bei den Betriebsbesichtigungen konnte ich deutlich sehen, dass Deutschland nicht schnell genug digitalisiert. Während die Vorteile der Digitalisierung wie Effizienz- und Produktivitätssteigerung bekannt sind, müssen wir uns auch der Risiken bewusst sein, die mit einer verzögerten Digitalisierung verbunden sind.

Reputation: Deutschland hat seit langem einen guten Ruf als Drehscheibe für innovative Fertigung, aber unsere Innovationskraft ist in Gefahr, wenn wir das Tempo der Digitalisierung nicht erhöhen.
Qualifizierte Talente: Das verarbeitende Gewerbe ist vom weltweiten Fachkräftemangel nicht unberührt. Um die besten Talente anzuziehen und zu halten, ist ein effizientes, strukturiertes Arbeitsumfeld in den Betrieben unerlässlich.


Wettbewerbsfähigkeit – In der heutigen Wirtschaft werden die Gewinnspannen immer enger, und um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen alle Prozesse hochgradig optimiert sein.


Nachhaltigkeit – Die Nachfrage der Kunden nach nachhaltigen Lösungen und Praktiken steigt exponentiell an. Da der Klimawandel und die Nachhaltigkeit ganz oben auf der gesellschaftlichen und politischen Agenda stehen, wird die Gesetzgebung nachziehen und hohe Geldstrafen und Sanktionen gegen Unternehmen verhängen, die sich nicht grün“ verhalten.

Die Digitalisierung verringert diese Risiken. Aber wo soll man anfangen? Was ist nötig, damit der Übergang zur digitalen Fabrik wirklich gelingt? Die Antwort ist ganz einfach: Fangen Sie klein an, setzen Sie auf Modularität und stellen Sie den Menschen in den Mittelpunkt.

Klein anfangen – Die Digitalisierung der Fabrik muss kein riesiges Unterfangen sein oder einen hohen Zeitaufwand erfordern. Vielmehr empfehle ich ein schrittweises Vorgehen in agilen Sprints, bei denen man genau erkennen kann, wo in einem kurzen, konkreten Zeitraum (4-6 Wochen) echte Ergebnisse erzielt werden können. Anstatt nach der eierlegenden Wollmilchsau zu suchen, fangen Sie mit einer kleinen App an, die z.B. das Thema Touren oder Wartung digitalisiert.

Modularität – Die Fabrik der Zukunft muss agil und anpassungsfähig sein und Modularität ist der Kern davon. Produktionskonzepte und die IT-Landschaft müssen modular sein. IT-Modularität ist kein Fremdwort, auch in unserem Privatleben konsumieren wir IT modular. Wenn wir mit Netflix nicht mehr zufrieden sind, wechseln wir einfach zu Disney+. Die Industrie ist noch nicht auf diesem Niveau. Um die Digitalisierung nachhaltig umzusetzen, braucht sie aber genau die Anpassungsfähigkeit, die moderne Produktionssysteme bieten. So ist es möglich, flexibel zu bleiben, auf Veränderungen zu reagieren und Lernprozesse in die Entwicklung zu integrieren.

Dieser Ansatz sollte auch von einer starken Fehlerkultur begleitet werden. Wertvolle, digitale Lösungen entstehen evolutionär durch Testen und Lernen. Agile IT-Projekte beinhalten den Mut, Fehler zu machen, solange dies den Lern- und Entwicklungsprozess des Unternehmens vorantreibt.


Personenzentriert – In meinem Gespräch mit Dennis haben wir über die Bedeutung eines personenzentrierten Ansatzes gesprochen. Die Menschen sind das wichtigste Gut in einer Fabrik. Ich glaube, dass die Wahrnehmung von Industrie 4.0 weit verbreitet ist, weil wir zu oft nur auf die technische Machbarkeit schauen, ohne die Bedürfnisse der Menschen zu berücksichtigen. Ich bin der Überzeugung, dass die digitale Transformation selten an der Software scheitert.

Die Herausforderung der digitalen Transformation besteht vielmehr darin, IT-Systeme in die Prozesse der Fabrik und die Menschen darin zu integrieren, um ein harmonisches Zusammenspiel zu gewährleisten. Die Digitalisierung der Fabrik beginnt mit einer gemeinsamen Vision. Es ist wichtig, ein Zielbild zu entwickeln, wie die Arbeit in der Fabrik in Zukunft ablaufen soll. Ich empfehle konkrete interne Workshops (1-2 Tage), um dieses Zielbild zu entwickeln. Es ist äußerst wichtig, die Menschen in den Betrieben direkt einzubeziehen und sie aktiv an den Entwicklungen teilhaben zu lassen, um von den Menschen und nicht von der Technik auszugehen. Aus der gemeinsamen Vision und ihren direkten Impulsen lassen sich dann Quick Wins identifizieren, die in einem kurzen Umsetzungszeitraum echte Ergebnisse bringen. Wenn man schnell erste Ergebnisse vorweisen kann, schafft dies eine Kultur innerhalb der Fabrik, die weitere Ideen zur Optimierung der digitalen Prozesslandschaft generiert und die digitale Transformation letztlich zu einer Erfolgsgeschichte macht.


Die Digitalisierung der Fertigung ist unausweichlich, muss aber nicht zur „mission impossible“ werden. Wenn man von Anfang an auf ein agiles Vorgehen setzt und so eine modulare IT-Landschaft entwickelt. Klein anfangen, aber heute anfangen ist meine Devise.